Paul-Louis Courier

épistolier, pamphlétaire, helléniste
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Grundinformationen über die Gemeinden,
die in Couriers Biographie eine Rolle spielen

Azay-sur-Cher Azay-sur-Cher (Foto JP Lautman)
 

Azay-sur-Cher (Indre-et-Loire)

D ie Gemeinde Azay-sur-Cher, trägt ihren Namen seit dem 15. Jahrhundert (damals noch in der Schreibweise Azé oder Azai) und liegt am Fluss Cher. Sie ist der Nachbarort von Véretz, die Entfernung zu Tours beträgt 15 km.
Gleich mehrere vornehme Schlösser finden sich in Azay-sur-Cher: le Coteau, Leugny, Beauvais (dort, wo de Gaulle im Juni 1940 zwei oder drei Nächte verbrachte), la Gitonnière, la Michelinière. Auch Überreste eines ehemaligen Klosters mit dem Namen Saint-Jean-du-Grais haben die Zeit überdauert.
Die der heiligen Maria Magdalena geweihte Pfarrkirche wurde 1790 restauriert, der davor gelegene Platz für Dorffeste und insbesondere für Tanzaufführungen genutzt. Obwohl der Gemeinderat dagegen war, sprach der junge Pfarrer des Dorfes, Abt Bruneau, am Tag des Mittsommerfests 1822, an dem zugleich die Jahrestagung stattfand, ein Verbot für derartige Veranstaltungen aus. Dies brachte Courier dazu, mit seiner Pétiton pour les villageois dagegen zu protestieren.
1793 hatte Azay 1314 Einwohner, im Jahr 1809 waren es 1209, heute dagegen zählt die Gemeinde über 2800 Menschen.
Azay-sur-Cher Azay-sur-Cher
 


Cinq-mars-la-pile (photo JP Lautman) Cinq-mars-la-pile (Foto JP Lautman)
 

Cinq-mars-la-Pile (Indre-et-Loire)

D er erste bekannte Vorsteher dieser Vogtei war Geoffroy de Saint-Médard.
Im Laufe der Zeit wandelte sich der ursprüngliche Gemeindename Saint-Médard zu Saint-Mars.
Ende des 16. Jahrhunderts ging man zur Schreibweise Cinq-Mars über.
Nachdem der Herzog Henri Ruzé d’Effiat, Marquis de Cinq-Mars und Großstallmeister von Ludwig XIII., am 12. September 1642 im Alter von 22 Jahren geköpft worden war, wurde das Schloss im Auftrag Richelieus abgerissen. Daraufhin wurde die Säule von Cinq-Mars (la pile de Cinq-Mars) zur Namensgeberin des Ortes, denn die Tatsache, dass der Ort über das einzige römische Grabmal dieser Art verfügt, erweiterte den Namen zu Cinq-Mars-la-Pile.
Jean-Paul Courier ließ sich im Jahr 1776 dort nieder. Am 31. März 1803 verkaufte Paul-Louis Courier die Véronique wieder.
Die Gemeinde zählte 1792 etwa 1200 Einwohner, 1831 waren es 1690 und heute sind es fast 3000. Cinq-mars-la-pile Cinq-mars-la-pile
 


Larçay Larçay (Foto JP Lautman)
 

Larçay (Indre-et-Loire)

L arçay, die östliche Nachbargemeinde von Saint-Avertin, beherbergte in der Spätantike eine römische Festung. Dieses castellum ermöglichte es, Bedrohungen durch potenzielle Angreifer abzuwehren. Der Wald von Larçay, den Courier Mitte Dezember 1815 Gekauft hatte, grenzte an vier Gemeinden an: Saint-Avertin, Larçay, Véretz und Esvres. Der bedeutendste Teil befindet sich auf dem Gebiet von Larçay. Heute ist der Wald Eigentum der Stadt Tours.
Der Schriftsteller besichtigte im November 1816 ein Haus in Larçay, kaufte es jedoch nicht, da er es für maßlos überteuert hielt.
Der Bürgermeister von Larçay wurde durch seinen Kollegen aus Véretz über das Verschwinden von Paul-Louis Courier informiert. Beide Verwaltungsbeamte schickten am frühen Morgen einen Suchtrupp los, um den Vermissten zu finden.

Larçay Larçay Le Guessier (Foto JP Lautman)
 

Es war die Gruppe aus Vèretz, die den Leichnam am 11. April 1825zwischen neun und zehn Uhr entdeckte. Man brachte ihn auf den Hof le Guessier (auch: Gaissier), in Larçay.
Dort wurde die Autopsie des Verstorbenen durchgeführt, woraufhin dessen sterbliche Überreste gegen fünf Uhr nachmittags zur Chavonnière gebracht wurden.
Am Vormittag des 20. Mai 1979 wurde in Larçay die Rue Paul-Louis Courier eingeweiht.
1792 zählte Larçay 460 Einwohner, 1806 waren es 441 und 470 im Jahr 1831. Heute leben in der Gemeinde über 2000 Menschen.


Luynes Luynes (Foto JP Lautman)
 

Luynes (Indre-et-Loire)

D ie am Ufer der Loire gelegene Gemeinde Maillé änderte ihren Namen im Jahr 1619 nachdem Charles d’Albert, Günstling von Ludwig XIII und Gutsherr von Luynes (Lehnsgut im Süden von Aix-en-Provence), das festungsähnliche Schloss einschließlich des umliegenden Landes gekauft hatte. Seit jenem Zeitpunkt haben die Herzöge von Albert de Luynes ihren Sitz in der Touraine.
Die Wälder des Herzogs grenzten an die Wälder Couriers. Dieser hatte am 23. Januar 1782 die Filonnière ersteigert, die sich etwa drei Kilometer nördlich des Zentrums von Luynes und auf halbem Weg zwischen Luynes und Pernay befand. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde dort ein Gutshaus errichtet, allerdings zu einem Zeitpunkt, als das Grundstück schon lange nicht mehr im Besitz der Familie Courier war. Paul-Louis Courier wollte sich seit 1816 der Filonnière entledigen, verkaufte sie aber erst am 15. März 1823.

Luynes Markthallen in Luynes (Foto JP Lautman)
 

Im Marktflecken, in dem sich die Terreur blanche abspielte – Courier prangert dies in der Pétition aux deux Chambres an – sind alte Häuser erhalten geblieben, eines davon beherbergt die Gemeindebibliothek. Auch alte Markthallen mit prächtigem Balkenwerk finden sich dort. Zum Teil wurden sie abgerissen, um dort den Festsaal der Gemeinde einzurichten.
1792 zählte die Gemeinde 2136 Einwohner, im Jahr 1831 waren es 2165 und heute leben dort über 5000 Menschen.
Luynes - Haus des 15. Jahrhunderts (Foto JP Lautman) Luynes - Haus des 15. Jahrhunderts (Foto JP Lautman)
 


Mazières Mazières (Foto JP Lautman)
 

Mazières-de-Touraine (Indre-et-Loire)

A m 21. April 1774 kaufte Jean-Paul Courier das Lehnsgut Breuil und seine zahlreichen Nebengebëude. Am 04. Dezember 1779 verkaufte er es wieder. Er lebte also nie in dem Schloss aus dem 18. Jahrhundert, das im 19. Jahrhundert umgebaut wurde.
Couriers Eltern heirateten am 11. Februar 1777 in der Kirche Saint-Pierre, die als einzige in der Region eine doppelte Glockenwand besaß.
Umschlossen vom Wald und nördlich von Cinq-Mars gelegen, beherbergte Mazières 1789 nicht mehr als 130 Menschen, 1794 waren es 539, 1821 insgesamt 659 und aktuell hat die Einwohnerzahl die 1100-Marke überschritten. Die Hauptstraße ist nach Paul-Louis Courier benannt.

Mazieres Schloss Breuil im Mazières
 

Mazieres Straße Paul-Louis Courier im Mazières
 


11 rue de l'Estrapade à Paris 11 rue de l'Estrapade im Paris (Foto JF Hartmann)
 

Paris

U m ihrem Sohn eine fundierte Ausbildung zu ermöglichen, zogen Paul-Louis’Eltern Ende 1784 in das Pariser Pantheon-Viertel. Als Wohnort wählten sie die Rue de l’Estrapade. 1925 wurde eine Gedenktafel an die Nummer 11 angebracht. In Wirklichkeit weist jedoch alles darauf hin, dass die Familie Courier sich in der heutigen Nummer 5 niederließ, gleich neben der Nummer 3, wo etwa dreißig Jahre zuvor Diderot gelebt hatte. Die Cousins Marchand, zu denen Paul-Louis Courier oft ging, wohnten in der Rue des Bourdonnais Nummer 12. Auch die meisten seiner Freunde und Bekannten befanden sich in der Hauptstadt. Die Familie Clavier lebte in der Rue Neuve des Bons Enfants, daraufhin in der Rue Coq-Héron und schließlich im Marais.

Histoire de Paris Histoire de Paris


Pernay Pernay (Foto JP Lautman)
 

Pernay (Indre-et-Loire)

P ernay liegt etwa zwanzig Kilometer von Tours entfernt, nördlich von Luynes und Cinq-Mars. Paul-Louis Courier wurde dort mit siebeneinhalb Jahren für einen Zeitraum von 24 Monaten zu Jean-Martin Duroncé in Pension gegeben. Dieser ehemalige Lehrer des Collège de Tours, das seit dem Ausschluss der Jesuiten von Oratorianern geführt wurde, baute die Lateinkenntnisse des Jungen aus und führte ihn aller Wahrscheinlichkeit nach in das Griechische ein. Er bekleidete während der Revolution eine Zeit lang das Amt des Bürgermeisters von Pernay und starb dort am 14. September 1805.
1790 zählte dieses Dorf 400 Einwohner, 1820 waren es 406, heute leben in Pernay 1000 Menschen.


Christophe Plantin

Saint-Avertin (Indre-et-Loire)

N achdem das Dorf zunächst als Vençay oder Vançay bekannt gewesen war, nahm es nach und nach den Namen Saint-Avertin an. Dieser Eremit schottischen Ursprungs war Gefährte und Berater von Thomas Beckett, des Erzbischofs von Canterbury.
Nach der Ermordung seines Herren soll er im Wald in der Nähe des Dorfes Zuflucht gefunden haben. Christophe Plantin, der berühmte Buchdrucker der Renaissance, der sich in Antwerpen niedergelassen hatte, soll dort um das Jahr 1514 das Licht der Welt erblickt haben.

die beiden Brücken von Saint-Avertin (Foto JP Lautman) die beiden Brücken von Saint-Avertin (Foto JP Lautman)
 

Bis zum Jahr 1855 floss der Cher durch Saint-Avertin, doch dann kaufte die erweiterungswillige Stadt Tours den Teil nördlich des Flusses auf. Eine alte zweiteilige Brücke, im Süden und im Norden mit einer Insel verbunden, hatte es früher ermöglicht, den Fluss Cher zu Fuß zu überqueren. Aber der nördliche Teil wurde 1793 aus Furcht vor einer Invasion aus der Vendée zerstört. Paul-Louis Courier bemängelt in der Einleitung seines Simple discours, dass diese Brücke nicht wiederaufgebaut wurde.
Nachdem die Steinbrücken von Saint-Avertin während des letzten Krieges zerstört worden waren, wurden sie in der Folgezeit neu erbaut, und zwar aus Beton. Das rechte Foto zeigt die neue Nordbrücke, sie ersetzt die alte, welche während der Revolution zerstört worden war.
Als der Pamphletist den Wald von Larçay erwarb, plante er, ein Anwesen in Saint-Avertin zu kaufen. Krank, unentschlossen und müde, vertraute er sich am 01. März 1818 seiner Frau in einem Brief an: „Ein Haus in Saint-Avertin würde uns beiden zu neuen Kräften verhelfen.“ Dieses Projekt wurde jedoch nie verwirklicht. Da er von der langwierigen Suche nach einem Haus genug hatte, kaufte er eineinhalb Monate später die Chavonnière.

Saint-Avertin (Foto Ville de Saint-Avertin) Cange Burg in Saint-Avertin (Foto Ville de Saint-Avertin)
 

Im letzten Jahrhundert wurde Saint-Avertin zum Schauplatz eines dunklen Kapitels der französischen Geschichte. Als der französische Staatspräsident Albert Lebrun vor dem Vormarsch der deutschen Truppen floh, ließ er sich am 10. Juni 1940 mit einem Teil seiner Bediensteten im Schloss von Cangé nieder. Dort führte er den Vorsitz der letzten beiden Ministerkonferenzen der Dritten Republik, welche die Niederlage zu Protokoll nehmen und die allgemein bekannten, schmerzhaften Konsequenzen ziehen sollten. Am 14. Juni wurde der Amtssitz nach Bordeaux verlegt. Zahlreiche Autoren haben sich nicht davor gescheut, auszusagen, dass diese tragischen Ereignisse sich in Cangey abgespielt hätten, einer Gemeinde bei Amboise. Ein Fehler, der oft wiederholt wurde und nun korrigiert ist.
Am 3. Juni 1972 benannte die Stadt Saint-Avertin eine Straße nach Paul-Louis Courier.
Als dieser seinen Simple discours schrieb, hatte Saint-Avertin 1167 Einwohner. Gegenwärtig werden über 14000 Einwohner erfasst.


Tours Tours Plumereau Platz (Foto Ville de Tours)
 

Tours (Indre-et-Loire)

C ourier ging nach Tours, wo sein Vater vor seiner Heirat gewohnt hatte. Der Schriftsteller logierte im Hôtel d’Angleterre, genau wie seine Gemahlin, wenn sie dorthin kam, um Einkäufe oder diverse Besorgungen zu tätigen.
Flussaufwärts des Zusammenflusses von Cher und Loire gelegen, leitet die Stadt ihren Namen von dem gallischen Volk der Turonen ab, das sich in der Nähe des Flusses niedergelassen hatte. Die Stadt war Sitz eines römischen Lagers: Casearodunum.
Reich an einer glanzvollen Vergangenheit, an der wir uns leider nicht aufhalten können, und die durch den letzten Krieg ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist Tours auch Präfektur- und Universitätsstadt. Nahe der Kathedrale Saint-Gatien befindet sich das Lycée Paul-Louis Courier. 1882 als Elitegrundschule für Jungen 1882 gegründet, wurde dort 1908 das Gymnasium errichtet.
Tours Hotel de ville Tours Rathaus
 

Lange Zeit auf den Bereich entlang der Loire begrenzt, hat die Stadt nach und nach die umliegenden Gebiete, zunächst kleine, dann größere angrenzende Gemeinden in sich aufgenommen. Die demographische Entwicklung dieser administrativen und kulturellen Hauptstadt sieht folgendermaßen aus: 1790 waren es 20434 Einwohner, 1820 wuchs die Stadt auf 21928 Menschen an, 1936 stieg die Einwohnerzahl auf 83753 und heute leben 137000 Personen in Tours.


Véretz Véretz (Foto JP Lautman)
 

Véretz (Indre-et-Loire)

U nter dem Namen Verez bekannt, wandelte sich der Dorfname zu Véretz, was traditionell „vérette“ ausgesprochen wird, wobei man den z-Laut wegfallen lässt.
Véretz hatte einige berühmte Einwohner, darunter Pierre Forget, Baron und Herr von Véretz, ein Katholik, der von Heinrich IV beauftragt wurde, gemeinsam mit dem Pastor Daniel Chamier die Abfassung des Edikts von Nantes vorzubereiten; Armand-Jean Bouthillier, Patensohn des Kardinals Richelieu, der oft als Abbé de Rancé bezeichnet wird , ein mondäner Geistlicher, Liebhaber des schönen Geschlechts und Pferdenarr, sowie zukünftiger strenger Reformator in La Trappe;
Emmanuel Armand-Vignerot du Plessis, Urgroßneffe des Kardinals Richelieu, eher bekannt unter dem Namen Herzog von Aiguillon, ließ Mitte des 18. Jahrhunderts ein herrschaftliches Schloss am Ufer des Cher errichten, und zwar an derselben Stelle, an der schon im 16. Jahrhundert Baron Jean de La Barre, ein Verwandter von Karl VIII., ein Schloss erbauen lassen hatte.

Véretz Schloss Véretz zum Zeitpunkt der Aiguillon
(Gemëlde von Louis-Nicolas Blarenberghe, Prëfektur Agen)
 

Für den Herzog von Choiseul, der ebenso 1774 in seinem Schloss d’ Aiguillon zu Agen in Ungnade fiel und dem der Aufenthalt im Schloss von Véretz verboten war, war er der große Rivale aus Tours. Nach dessen Verstaatlichung wurde das Schloss am 24. Juni 1796 mit 40ha Grundstück und 112ha Park von den Herren Jean Perré und François Paumier gekauft. Das herrschaftliche Gebäude wurde zerstört und der Park abgeholzt, sodass nach einigen Jahren nur noch Nebengebäude übrig blieben und ein kleiner Teil des Schlosses, der an die Kirche grenzte.

Véretz Schloss Véretz neugotischen Stil erbaut im 19. Jahrhundert
 

1836 wurde ein neues Schloss im neugotischen Stil errichtet, Besitzer war der Graf Philippe Panon Desbassayny de Richemont, der auch Eigentümer des Château de Cangé in Saint-Avertin war.

Place de Véretz Platz im Véretz
 

Courier entdeckte 1816 die Chavonnière, die Augustin Isambert gehörte. Er kaufte sie erst im April 1818, da er hoffte, das Château de la Roche Morin erwerben zu können. Dieses Schloss wurde 1821 vom Marquis de Siblas gekauft. Die Familie Courier verstand sich gut mit ihm, so gut, dass Madame Courier sogar vom Marquis zum Mittagessen eingeladen wurde, während der Autor des Simple discours seine Gefängnisstrafe verbüßte. Sie lehnte die Einladung ab. Am 03. Juni 1830 ersetzte der Marquis De Beaune, der das Amt des Bürgermeisters von Véretz inne hatte. Es war ihm aufgefallen, dass sein Vorgänger die Gemeindekasse gerne mit seinem eigenen Portemonnaie verwechselte und informierte den Präfekten, der von De Beaune verlangte, die fehlende Summe zu ersetzen.
Aufgrund mangelnder Instandhaltung ist das Schloss von Roche-Morin nach dem Zweiten Weltkrieg verfallen und heute nur noch eine Ruine.
1793 wohnten 885 Personen in Véretz, 1821 zählte der Ort 855 Menschen. Heute liegt die Einwohnerzahl bei 4000.


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